Der Mond schrumpft!

MondDer Mond schrumpft – klingt zunächst nach einer abgedrehten Science-Fiction-Erfindung. Dabei ist die Schrumpfidee gar nicht so weit hergeholt. Unser kleiner Erdtrabant verliert tatsächlich an Größe! Aber: Wie kann das sein im vakuumleeren Raum? Und: Was passiert, wenn der Mond uns nicht mehr umkreist?
Unser Mond – der allnächtliche, grausilberne Begleiter in mehr als 380.000 Kilometern Entfernung, ursprünglich aus einem Stück Erde nach einem Riesencrash vor 4,5 Milliarden Jahren mit einem Objekt namens Theia entstanden, verliert an Größe?!

Der große Steinbrocken im Erdorbit schrumpft. „Na und“, mögen vielleicht manche Mondmuffel denken, „Was brauchen wir schon den Mond? Er sorgt doch eh nur für astrologischen Nonsens auf der Erde.“ So ganz stimmt das nicht. Sicher gibt es Mondanhänger, die dem Trabanten Kräfte nachsagen, die wissenschaftlich nicht bewiesen sind. Aber Tatsache ist: Ohne unseren lunaren Begleiter wäre das Leben auf der Erde ganz anders verlaufen oder gar nicht erst entstanden. Grund genug, sich einmal anzuschauen, was eigentlich wäre, wenn der Mond plötzlich schrumpfe und verschwände.

 

Was passiert, wenn es keinen Mond mehr gibt? 

Stellen wir uns einmal das folgende Szenario vor: Eine übermächtige Kraft klaut uns von einer Sekunde auf die nächste unseren Mond. Was würde passieren? Jede Menge und noch viel mehr, denn der Weltuntergang stünde uns bevor. Die lunare Kraft bewirkt mehr, als man denkt. Nur was eigentlich genau? Nun, das Offensichtlichste ist das Licht in der Nacht. Dieses ist zwar nicht essentiell für unser Leben, doch gibt es uns in manchen dunklen, romantischen Zeltnächten in der Natur die nötige Orientierung.

Viel größer wäre der Effekt auf die Ozeane und die darin lebenden Wesen. Der Mond bewirkt Ebbe und Flut, wie auch die Sonne. Er zieht mit seiner Gravitation das Wasser der Meere hin und her. Die Gezeiten blieben also aus. Nur eine minimale Bewegung, hervorgerufen durch die Gravitation der Sonne, bliebe bestehen. Kein Problem? Für uns Menschen direkt nicht. Aber viele Tiere würden ihre Orientierung verlieren, beispielsweise die Schildkröten, die sich an Ebbe und Flut und somit auch dem Mond orientieren. Eine Welt ohne Schildkröten und Wattwanderungen – schon Grund genug, um den Mond zu kämpfen.

Aber viel gravierender: Unsere Erde würde sich ohne den Mond viel schneller drehen, ungefähr dreimal so schnell wie bisher. Die Gravitation des Mondes bremst die Erdrotation ungemein ab. Stellen wir uns also eine Welt vor, die sich dreimal schneller drehen würde: Die Tage wären nur 8 Stunden lang (was an Montagen vielleicht ganz angenehm wäre…), kleine Lufthauche verwandelten sich in bis zu 500 kmh schnelle Orkane, die Temperaturen stiegen auf 60 Grad im Sommer, die Winter wären mit minus 50 Grad klirrend kalt – kurz: das Klima würde verrückt spielen! Aber wieso beeinflusst der Mond unser Klima? Auch das ist ganz einfach zu erklären. Denn dank des Mondes bleibt die Neigungsachse unserer Erde stabil bei um die 23 Grad. Wäre der Mond nun verschwunden, wäre auch unsere Balance dahin. Denn dann nähme die Gravitation der Sonne, und ja, auch des Jupiters oder des Saturns Überhand. Es würde ein Gezerre und Geschupse stattfinden, die unsere Erde ordentlich ins Straucheln brächte. Die Folge: Die Neigung der Erdachse würde wackeln: zwischen 0 und bis zu 80 Grad. Chaos vorprogrammiert! Leben nicht mehr möglich!

Verlieren wir den Mond? 

Wir sehen: Dem Trabanten sind viele wichtige Aufgabe zuteil geworden im ewigen Kreislauf um die Sonne. Daher ist es umso erschreckender, dass er schrumpft. Heißt das, er wird demnächst nicht mehr unsere Nächte erhellen und manchen schlaflose Nächte bereiten? Nein, heißt es nicht. „Der Mond schrumpft“ ist zwar eine korrekte Aussage, aber der Wahrheitsgehalt sollte wie so oft immer hinterfragt und nicht einfach hingenommen werden.

Amerikanische Wissenschaftler haben entdeckt, dass der Mond 100 Meter von seinem Durchmesser eingebüßt haben soll. Das stimmt auch: Tausende Fotoaufnahmen der NASA-Mondsonde «Lunar Reconnaissance Orbiter» (LRO) haben das bewiesen, allerdings beläuft sich der Schrumpfungszeitraum auf über eine Milliarde Jahre. Der Mond kühlt sich ab und zieht sich bei diesem Vorgang zusammen, wodurch die Oberfläche aufbricht und kliffähnliche Formationen entstehen. Das DLR hat einen schönen Vergleich gefunden: Wie bei einem alten Apfel entstehen auf der Oberfläche des Mondes Falten bei der Abkühlung. Und der Vergleich dieser Fotos von den Falten zeigt, dass sich der Durchmesser tatsächlich verringert hat.

Ein weiterer Fakt: Der Mond entfernt sich von uns. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich der graue Trabant jährlich bis zu vier Zentimeter von der Erde entfernt. Irgendwann ist es also soweit und der Abschied ist da und ja, die Welt muss ohne Mond den beinahe ewigen Kreislauf weiter bestreiten. Doch bis dahin dauert es noch ungefähr eine Milliarde Jahre und was bis dahin mit der Erde geschehen ist, steht in den Sternen. Also noch genug Zeit für Schildkröten und Wattwanderungen und für das gewohnt erhabene Gefühl beim Blick in den Nachthimmel auf unseren silberscheinenden Begleiter.

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