50 Jahre Kölner Planetarium: Mit Pauken und Kometen


planetarium köln1Ein halbes Jahrhundert Wissenschaft zum Anfassen – das bietet seit den 60er Jahren das Planetarium in Köln, das in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Grund genug, einmal im Archiv zu stöbern. Eine Zeitreise vom hochmodernen Fulldome-Projektor zurück in eine Zeit, als eine alte Pauke noch als Satellit diente.

Köln. Alles fing im Jahre 1957 mit einer Kesselpauke des Schulorchesters an, die im Keller des Gymnasiums in Nippes an der Blücherstraße gelagert wurde. Das nicht wenig ambitionierte Vorhaben von Hermann Gundermann, damals noch Student der Physik und Mathematik und heute Leiter des Planetariums: Den Satelliten Sputnik naturgetreu mit ausgebauten Radioteilen nachbauen. Mit Erfolg: Der Paukensputnik konnte sogar die originalen Sendezeichen des künstlichen Erdtrabanten per Lautsprecher wiedergeben.

Funkunterricht bis nach Vietnam

Es folgten viele weitere technische und hoch anspruchsvolle Bastelarbeiten. Der damalige Oberstudiendirektor Dr. Hermann Gundermann erklärte in der Ausgabe der Rheinischen Post vom 7. Mai 1960: „Wir sind vom Keller bis zum Schulturm auf Technik eingestellt.“ So gab es damals für die Schüler die Möglichkeit, im Turm der Schule mit Schülern in Frankreich, Italien oder sogar Vietnam zu funken. Da wurde dann der Sprachunterricht aufgepeppt und Austauschmöglichkeiten per Funk organisiert. Keine andere Schule in der Umgebung hat auch nur annähernd Ähnliches geboten, um den Schülern schon früh die praktischen Naturwissenschaften, wie zum Beispiel Astronomie oder die Hochfrequenztechnik, beizubringen und sie dafür zu begeistern.

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Ein Bücherregal wird zur Sternwartenkuppel

Kurze Zeit später, im Jahre 1960, baute Hermann Gundermann seine Ambitionen mit Studienkollegen weiter aus: Auf dem Schuldach entstand mit einem Spiegelteleskop die höchste Sternwarte der Domstadt. Dafür wurde selbst Hand angelegt: In schweißtreibender Kleinstarbeit wurden alle teils auf dem Schrottplatz gefundenen Teile des Teleskops in der Schweißerei im Schulkeller gebaut: die stählerne Gitterkonstruktion des Fernrohrgestells, das Holzgerüst der Kuppel, dessen Material von alten Bücherregalen stammt, und vieles mehr. Zentnerschwere Konstruktionsteile wurden per Flaschenzug auf den Turm gehievt. Das „Fenster zum Himmel“, wie es der Kölner Stadtanzeiger in seiner Ausgabe vom 23. Juni 1964 betitelte, wurde vier Jahre später feierlich mit einem Blick auf den Sternenhimmel eingeweiht. Damals wurden die Beobachtungen vom Mond mittels einer mit dem Teleskop gekoppelten Kamera noch live in das hauseigene Fernsehen im Klassenzimmer übertragen. Und noch heute gibt es jeden Samstag bei gutem Wetter die Möglichkeit, auf dem Dach Sterne, Planeten und Kometen zu beobachten.

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Vom Luftschutzbunker zum Planetarium

Doch das eigentliche Herzstück der Schule wurde im Jahre 1966 gebaut. Vor genau 50 Jahren schenkte die Stadt Köln dem Gymnasium als Anerkennung für die technische Leistung der selbstgebauten Sternwarte ein eigenes Planetarium, das tief im Keller, der während des zweiten Weltkriegs noch als Luftschutzbunker diente, unter der Schule seinen Platz finden sollte. Bei dem Planetarium handelt es sich um ein sogenanntes ZKP1, ein Zeiss-Planetarium mit 31 Einzelprojektoren. Die Kuppel hat technisch einiges zu bieten: Aktuelle Planetenkonstellationen, romantische Sonnenaufgänge, das weiße Band der Milchstraße und auch funkelnde Sternschnuppen können an den künstlichen Himmel projiziert werden. Aber auch Polarstern, Himmelsäquator, Ekliptik, Meridian oder Stundenkreis kann der wissbegierige Besucher beobachten. Die Schüler des damals noch genannten Neusprachlichen Gymnasiums waren begeistert, wurde ihnen damit doch der „Himmel auf Erden“ geliefert, der die Schulsternwarte zu einer der besteingerichteten in Europa machte. Das zumindest schrieb der Kölner Stadtanzeiger am 7. Juli 1966.

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Ganz bescheiden hängen heute im Jahr 2016 draußen an der hölzernen Eingangstür Messingbuchstaben, die das Wort „Planetarium“ bilden, nicht sichtbar für den unaufmerksamen Passanten. Dabei spielt sich in den Katakomben unter der Erde noch heute faszinierende Wissenschaft zum Anfassen statt. Hinter jeder Ecke gibt es etwas zu erfahren: Modelle der größten Sternwarten der Welt, wie zum Beispiel das Very Large Telescope in Chile oder das Very Large Array in New Mexico, Erklärtafeln zum Halleyschen Kometen, Galaxien und Planeten sowie große Wandgemälde, die die Geschichte der Astronomie nacherzählen.

Präzisionsarbeit für den Fulldome-Projektor

In diesem Jahr wurde der Fulldome-Projektor im Planetarium eingeweiht, der mit hoher Präzision in den letzten Wochen feinjustiert wurde. Mitte Juli fand die Premiere stand: „Von der Erde zum Universum“ hieß die Vorführung, die den Zuschauer entführt in eine Zeit, in der die Astronomen erstmals den Blick gen Himmel richteten, und ihn mitnimmt auf eine wundersame Reise von unserem Sonnensystem, vorbei an bezaubernden Nebeln, raus aus unserer Milchstraße in die unendlichen Weiten des Kosmos.

Wo einst noch eine umfunktionierte Pauke für Begeisterung sorgte, ist es heute der gesamte Schulkeller, der sich in 50 Jahren zu einem Ort der Wissenschaft entwickelt hat, ein Ort, an dem Klein und Groß zusammen kommen und gemeinsam die Geheimnisse der Astronomie entdecken und sich jeden Samstag aufs Neue verzaubern lassen. Was bleibt da noch anderes zu schreiben als: Herzlichen Glückwunsch zum 50. Jubiläum! Und noch heute arbeiten Hermann Gundermann und sein Team jeden Samstag im Planetarium, halten informative und verständliche Vorträge für die interessierten Gäste aus Köln und Umgebung und sorgen unermüdlich für den Erhalt dieser einzigartigen Einrichtung.

Wer sich ein genaues Bild vom Planetarium machen möchte, dem lege ich den Blogeintrag „Eine Reise zu den Sternen“ nahe. Oder Sie kommen einfach selbst an einem Samstag zu den Führungen vorbei.

Mehr Informationen: Planetarium Köln

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